Vereinschronik

Im Sommer des Jahres 1911 wurde in Kirchditmold, einem Stadtteil von Kassel, der Schützenverein Tell gegründet. Nach der Gründung wurde der Verein Mitglied im Kurhessischen Zimmerstutzenverband. Aus der Vereinschronik geht hervor, dass im Jahre 1913 der erste Schützenkönig ausgeschossen wurde. Zum ersten Schützenkönig wurde Heino Stallmann gekürt. Ebenfalls wurde eine Vereinsfahne von den damaligen Mitgliedern angeschafft. Die erste Königsscheibe und die Vereinsfahne haben beide Kriege überdauert und befinden sich noch im Besitz des Vereins.

Nach nur dreijährigem Vereinsleben kam 1914 durch den 1. Weltkrieg auch für unseren Verein ein vorläufiges Ende. Im Jahre 1920 wurde der Verein zu neuem Leben erweckt. Der Mitgliederbestand schwankte in dieser Zeit zwischen 25 und 30 Schützen. Man schoss mit Zimmerstutzen und Kleinkaliber, letzteres auf dem Schießstand des Schützenvereins Harleshausen auf dem Daspel. Durch fleißiges Training wurden beim Verbandsschießen und Wettbewerben gute Ergebnisse erzielt. Auch das gesellige Leben kam nicht zu kurz.

Im Jahre 1933 brachte die Politik den Verein wiederum in eine Krise. Trotzdem konnte 1936 das 25-jährige Vereinsbestehen gefeiert werden. Von 1939 bis 1956 ruhte das Vereinsleben. Das gesamte Vereinsinventar, Gewehre, Pokale, Ehrenschreiben, Königskette usw., außer der bereits erwähnten Vereinsfahne und der ersten Königsscheibe, gingen verloren.

Im Jahre 1956 fanden sich die alten Kirchditmolder Schützen, Karl Pape, die 3 Brüder Wilhelm – Alfred, Ernst und Fritz -, Philip Weisshaar, Willi Zinke, Fritz Geßner, Christoph Elsensohn, Heino Stallmann, Wilhelm Range, Heinrich Degenhardt, Julius Sippel, Paul Meng, David Hartmann und Willi Lingelbach in der damaligen Gaststätte Fennel ein und beschlossen, den Verein zu neuem Leben zu erwecken. Vielen werden die Namen dieser alten Mitglieder noch in Erinnerung sein.

Die alten Schützen schafften Luftgewehre an und bauten in dem Saal der Gaststätte Fennel neue Schießstände. Der Verein trat dem Hess. Schützenverband bei, und es entwickelte sich umgehend wieder ein reges Vereinsleben. Wir beteiligten uns auf Kreisebene mit zwei Luftgewehr- und einer Luftpistolenmannschaft an den ausgeschriebenen Rundenwettkämpfen, nicht zuletzt dadurch, dass junge Mitglieder sich dem Verein anschlossen.

1961 wurde das 50-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Zu diesem Anlass konnten noch Gründungsmitglieder aus dem Jahre 1911 geehrt werden. Seit 1964 gehört unser Verein auch dem Landessportbund Hessen e.V. an.

Nachdem wir unser langjähriges Vereinslokal „Alte Burg“, ehemals Gasthaus Fennel, verlassen mussten, da das Haus einer anderen Nutzung zugeführt wurde, standen wir am 1. Aug. 1977 ohne Bleibe da. Von der Stadt Kassel einen geeigneten Raum für unseren Schießsport zu bekommen war nicht möglich.

Nach vielen Bemühungen des Vorstandes Walter Becker, Hans-Martin Geßner, Alex Engel und Rainer Fröhlich wurde das jetzige Domizil gefunden, und zwar im Vereinslokal des Eisenbahnschrebergarten-Vereins in der Wolfhager Straße 219. Dieser Verein konnte uns als Einziger in Kirchditmold geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Wir mussten neue Schießstände bauen und konnten seit September 1977 auf 6 Ständen unseren Schießbetrieb fortsetzen. Auf Initiative von Rainer Fröhlich und dem Vorsitzenden des Eisenbahnschrebergarten-Vereins Walter Lengemann, wurde die Idee, den Dachboden des Vereinsheimes in eine moderne Schießsportanlage auszubauen, in die Tat umgesetzt. Nach großem Arbeitseinsatz und auch durch die finanzielle Unterstützung von den Mitgliedern, konnte im Oktober 1988 die Schießsportanlage in Betrieb genommen werden. Diese Anlage besteht aus 6 automatischen Schießständen, wo wir mit Luftgewehr und Luftpistole unseren Schießsport ausüben können.

Da die Vereinsfahne aufgrund ihres Alters doch sehr gelitten hat (Mottenfraß, Stockflecken durch Feuchtigkeit), wurde beschlossen sie in 1999 zu restaurieren. Diese Restaurierung lag unserem Vorsitzenden Rainer Fröhlich sehr am Herzen. Leider konnte er das Ergebnis nicht mehr sehen, da er unerwartet im August 1999 verstarb.

Das Ergebnis dieser Restauration kann in unserer Schießanlage bewundert werden.

Quelle: Auszug aus der Festschrift “90 Jahre Eisenbahn-Schrebergarten”